Das Leseprojekt
Hier möchte ich auf das Thema Leseförderung und Legasthenie eingehen, das ich in meiner Facharbeit erörtert habe. Diese kann sehr gerne auf Anfrage eingesehen werden.
Was ist eine Leseförderung?
Die Leseförderung richtet sich an Kinder, die sich noch etwas schwer tun, Wörter oder Sätze richtig auszusprechen. Hier muss keine Legasthenie vorliegen, sondern es können auch andere Ursachen vorliegen, wie z. B. bei Flüchtlingskindern, die die deutsche Sprache erlernen müssen und sich bei der Aussprache schwer tun. Auch hier kann ich mit der tiergestützten Lesestunde ansetzen.
Was ist eine Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie)?
"Kinder mit einer Lese-Rechtschreibstörung (auch dyslexia oder Legasthenie
genannt) haben massive Probleme beim Lesen und beim Rechtschreiben. Als
mögliche Ursache einer Legasthenie wurden genetische Faktoren beschrieben, die
neurophysiologische Prozesse der auditiven und visuellen Informationsverarbeitung
beeinflussen. Nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine
Lese-Rechtschreibstörung sowie die die isolierte Rechtscheib- und die isolierte
Lesestörung ein klar definiertes Störungsbild.
Bei der Legasthenie handelt sich nach dem ICD-10 um eine schulische
Entwicklungsstörung, das DSM-5 zählt die Lese-, Rechtschreibstörung und die
Rechenstörung zu den spezifischen Lernstörungen. Als eine schulische
Entwicklungsstörung bezeichnet man früh beginnende und meist chronisch
verlaufende Lernstörungen, die sich nachhaltig auf die psycho-soziale Entwicklung
der Betroffenen und ihrer Familien auswirkt. Die Intelligenz ist hierbei unbeeinflusst,
Legasthenie hat also keineswegs was mit mangelnder Intelligenz zu tun."
Quelle:
https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/kinder-jugendpsychiatrie/erkrankungen/lese-rechtschreibstoerung-legasthenie/was-ist-eine-leserechtschreibstoerung/
Zielsetzung der Tiergestützten Arbeit bei einer Leseförderung/
Legasthenie
Der emotionale Bereich:
Angstabbau beim Lesen: Das Tier bewertet nicht oder lacht die Betroffenen nicht aus (Schule, Mobbing, Klassenkameraden).
Die Kontaktaufnahme durch das Tier stärkt emotionale Nähe und körperliche Wahrnehmung (Streicheln über das Fell, Atmung des Hundes).
Erfolgserlebnisse werden durch eigene Selbstwahrnehmung wieder erlangt (Loben über das Tier: "Heute hast du super gelesen! Schau mal, wie Janosch sich freut.
Der soziale Bereich:
Stärkung der Beziehungsfähigkeit zu Menschen und Tieren (einen Beschützer und Mutmacher im Tier finden).
Aufbau des Vertrauens zu anderen Personen oder Mitschülern wieder erlangen, hier auch ohne Angst vorzulesen (mit positiver Bestärkung; auch wenn das Tier nicht mehr da ist, sich vorstellen: "Er ist hier und unterstützt mich").
Der motorische Bereich:
Entspannung des Körpers durch den Tierkontakt (durch Entspannung der Muskeln im Kiefer- und Mundbereich verbessert sich auch die Aussprache und Redefähigkeit).
Sinneswahrnehmung wird gestärkt (durch Greifen ins Fell des Hundes, Gabe von Leckerlis, der Hund schleckt über die Hand).
Im bildenden Bereich:
Erweiterung des Wortschatzes (durch Erlernen neuer Wörter).
Aufnahme neuer Informationen (durch das Lesen von Geschichten).
Sicherer Umgang mit einem Hund (Heft des VDH: 12 Regeln für den Umgang mit Hunden).
Umsetzung einer Tiergestützten Lesestunde
Wie kann man sich nun eine tiergestützte Lesestunde vorstellen?
Kommt man in den Raum, und da liegt ein Tier, und man schnappt sich ein Buch und liest ihm etwas vor?
Ja, fast genau so. Nur arbeitet das Tier, in unserem Fall ein Hund (Janosch), als unser Co-Therapeut.
Wir binden ihn in die Lesestunde ein.
Der Betroffene (das Kind) liest nicht uns eine Geschichte vor, sondern wir werden spielerisch versuchen, ihm zu vermitteln, dass Janosch in diesen Lesestunden seine Ohren nur für ihn hat und sich tierisch darauf freut, von ihm eine Geschichte zu hören.
Wir greifen auch nur immer versteckt ein, wenn der Betroffene (das Kind) sich verliest, und sagen: "Hier, ich glaube, Janosch hat gerade nicht gehört, was du genau gesagt hast. Willst du es ihm noch einmal erzählen?"
Niemand wird dieser Bitte negativ eingestellt sein. Auch arbeiten wir mit viel Geduld, ohne Druck, und loben viel, wenn etwas gut geklappt hat.
Das kann ein Wort oder sogar ein ganzer Satz sein, der gemeistert wurde und den man sich so aber noch nie getraut hat, vorzutragen. Dazu greife ich wieder versteckt ein.
"Das hast du gut gemacht.
Janosch freut sich gerade sehr, dass du so toll liest."
Janosch muss in dieser Zeit nicht viel tun.
Er muss einfach im Raum sein und dem Betroffenen vermitteln können, dass er für ihn da ist.
Ob nun mit Kontakt gelegen oder aus der Ferne gelesen wird, ist dann zweitrangig.
Auch darf Janosch in dieser Zeit schlafen oder einen Knochen knabbern.
Wichtig ist nur, dass er Ruhe ausstrahlt, die der Betroffene benötigt.
Die Übungsbücher
Für das Buch Anika und der Lesehund habe ich mich entschieden, da es auch von führenden Verbänden (Lesehunde Verein und Schulhunde Schweiz) unterstützt wird.
Es ist kindgerecht, mit kurzen Wörtern und Sätzen, und es sind sehr viele Bilder sowie eine packende Geschichte enthalten.
Das Buch Der Lesewolf ist eine schöne Kurzgeschichte.
Es enthält eine packende Handlung, da hier Mut gemacht und Vertrauen vermittelt wird, wenn man lesen kann.
So erhält man Achtung. Auch ist es wieder kindgerecht, mit vielen farbigen Bildern und kurzen Sätzen.
Das Buch Anika und der Lesehund im Tierheim ist eine Fortsetzung des ersten Buches, wie oben beschrieben.
Anmerkung: Natürlich darf der Betroffene (das Kind) auch sein eigenes Lieblingsbuch mitnehmen, das er gerne lesen möchte. Wichtig muss dabei sein, dass es nicht das Schulbuch ist, sonst entsteht wieder der Eindruck, man möchte ihn nur zwingen, dass er liest.
Wie bin ich in meiner Facharbeit vorgegangen
Die Auswertung der Lesestunden erfolgte über einen Auswertungsbögen, den ich für jedes Kind erstellt hatte.
Hierbei war es mir wichtig, folgende Punkte aufzunehmen:
- 1. Liest in angemessenem Tempo vor.
- 2. Macht die erforderlichen Pausen.
- 3. Verschluckt keine Buchstaben und Silben.
- 4. Korrekte Stimmführung bei Satzzeichen.
- 5. Hat eine gute, klare Aussprache.
- 6. Liest sicher vor.
- 7. Ist beim Lesen angespannt.
Die Einteilung erfolgte in einer Skala von 1 bis 4.
Wobei 1 das beste Ergebnis war und 4 das schlechteste.
Des Weiteren wurde der Name von jedem Kind und das Datum der Stunde auf notiert.
Dazu folgte noch, welches Arbeitsmittel – in unserem Fall welches Buch – eingesetzt wurde.
Im Feld Anmerkung notierte ich das Verhalten des Kindes während der Übungsstunde.
Forschungsgegenstand
Hierbei habe ich mich an eine Studie der Universität Rostock, Institut für Sonderpädagogische Entwicklungsförderung und Rehabilitation, gehalten.
Diese Studie der Universität Rostock, Institut für Sonderpädagogische Entwicklungsförderung und Rehabilitation, beschreibt, wie ein lebendes Tier – in unserem Fall ein Hund (Lesehund) – und ein Stofftier sich auf das Leseverhalten von Schülern ausgewirkt haben.
Das Leseverhalten lag zu Beginn der Studie im niedrigen Bereich und wurde in jeweils zwei Gruppen unterteilt.
Am Anfang lagen beide Gruppen noch gleichauf. Das änderte sich aber dann bei der Messgruppe mit Hund (Lesehund) schlagartig.
Die Forschungsarbeit kann unter folgendem Link eingesehen werden:
https://www.psychologie-aktuell.com/fileadmin/download/esp/2-2014_20140506/ESP-2-2014_172-187.pdf
Zu Ergebnis meiner Facharbeit
In meiner Zusammenfassung möchte ich darauf eingehen, dass ich bei den Kindern, mit denen ich die Lesestunde mit Janosch durchgeführt habe, meines Erachtens, wie in der Studie des Instituts für Sonderpädagogische Entwicklungsförderung und Rehabilitation der Universität Rostock, feststellen konnte, dass allein die Anwesenheit eines Tieres ausreicht, um kleine Verbesserungen im Verhalten (Anspannung, Angst) zu bewirken.
Auch kann ich aus meiner Sicht sagen, dass die Sicherheit und Stärkung der Kinder eine große Rolle spielt, was Janoschs Hilfe bewirkt hat.
Natürlich hätten meine Übungsstunden länger sein müssen; außerdem hätte ich gerne die Eltern und Lehrkräfte befragt, um meine Beobachtungen zu prüfen.
Vielleicht habe ich irgendwann die Möglichkeit, meine Ausarbeitung zu überarbeiten und weitere Übungsstunden einfließen zu lassen.
Leider war dies hier wegen der Corona-Krise nicht möglich.
Dennoch hoffe ich, mit meiner Facharbeit einen kleinen Eindruck zu vermitteln, was Tiere bei uns Menschen bewirken können.